Zu Beginn des 9. Jahrhundert wird Voigstedt in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld als Vocstat urkundlich erwähnt.
Bei Voigtstedt wurde bereits 1878/79 ein Gräberfeld aus der Römischen Kaiserzeit entdeckt.

vor 300
Swebisch-germanisch-thüringische Ortsgründungen
auf -stedt
Mitte des 6. Jahrhunderts
Die Franken bauen bei Wallhausen, Voigtstedt, Artern und Ritteburg feste Burgen
769
Gründung der hessischen Abtei Hersfeld
 
775
Fränkisches Reichsgut wird in Voestat erwähnt
 
um 800
Voigtstedt und Artern werden in dem Brevarium des Lullus (Güterverzeichnis der Abtei Hersfeld) genannt
 
im 11. Jahrhundert
Die Mark Voigtstedt kommt an die Grafschaft Rothenburg
 
1123
Es bricht ein Aufstand gegen die Herren in Mainz wegen der untragbaren kirchlichen Steuern aus, an dem sich ca. 20.000 Thüringer beteiligen.
Adalbert von Mainz, Erzbischof, wird zum Nachgeben gezwungen
 
zwischen 1198 und 1204
Artern kommt unter Herrschaft der
reichsunmittelbaren Grafen von Honstein-Vockstedt
 
um 1200
Die Mark Voigtstedt bekommt Graf Heinrich von Honstein als neuen Herrn
 
1201 bis 1210
Grad Heinrich von Honstein erbaut die Burg Stolberg im harz
 
zwischen 1210 und 1212
Graf Heinrich I. von Vockstedt beugt sich mit dem südlichen Teil seines Landes unter landgräflich thüringische Lehnshoheit
 
um 1240
Grad Heinrich von Honstein stirbt, sein Besitz wird zwischen seinen Söhnen geteilt. Der ältere Sohn, Heinrich II. erhält die neue Grafschaft Stolberg und die kleinere nördliche Hälfte der Herrschaft Vockstedt. Sein Bruder Friedrich, die größere südliche Hälfte und nennt sich Graf von Stolberg, Herr zu Vockstedt.
 
1247
Der Meißnische Markgraf Heinrich der Erlauchte erbt die Landgrafschaft Thüringen
 
1268
Das Schloß Vockstedt wird zuerst erwähnt, ebenso die Mühle beim Schloß
 
Nov. 1268
Friedrich "Graf in Stalbach" verkauft den Oberteil der Vockstedter Herrschaft an das Erzstift Magdeburg
 
um 1275
Heinrich Raspe schenkt seiner Schwester Irmgard zur Hochzeit mit dem Askanier Otto I. , die untere Herrschaft Vockstedt als Mahlschatz
 
1298
Die Honsteiner Grafen Dietrich II. und Heinrich II., gewinnen die halbe comica Voigtstedt von den Stollbergern und bleiben bis ca. 1380 in deren Besitz
 
1343 bis 1360
Heinrich von Vockstedt oder von Artern ist Abt des Klosters Oldisleben
 
1380
Die Edelherren von Querfurt werden Herren von Voigtstedt und bleiben es bis 1448
 
1392
Der untere Teil von Edersleben gehört zur oberen Herrschaft von Vockstedt.
 
1421
Graf Botho der Ältere von Stolberg belehnt Hans von Bennungen mit 2 Ackern Grafenlandes vor den Aspen bei Vockstedt
 
1438
Gebhard von Querfurt belehnt die Brüder Hans und Hartmann von Gehofen mit dem "hintertorm" (dem hinteren Turm) seiner Burg Vockstedt
 
1448
Die Herrschaft Vockstedt wechselt zu den Grafen von Honstein bzw. zu den Grafen von Mansfeld
 
13. Feb. 1465
Graf Günther von Mansfeld stellt einen Leibzuchtbrief für Margarethe, Friedrich Hakes Ehefrau, über das Burglehen zu Vockstedt und anderes Zubehör aus
 
1466
Friedrich Hake auf Vockstedt kauft das halbe Dorf Hackpfüffel
 
1525
Voigtstedt wird im Bauernkrieg von Frankenhäusern und Ringlebnern geplündert
1532
Kaiser Karl V. erläßt die "Peinliche Gerichtsordnung", die sogen. Carolina
 
1553
Die Frankenhäuser und Ringleber zahlen 400 Gulden an Ritter Heinrich Knut auf Voigtstedt, weil sie im Bauernkrieg (1525) Voigtstedt und Kachstedt geplündert hatten.
 
1570
Die gesamte Grafschaft Mansfeld wird wegen starker Verschuldung der Grafen vom Oberlehnsherrn in Zwangsverwaltung genommen. Voigtstedt samt Artern wechselt infolge einer Permutationsvertrages von der Lehnshoheit des Erzstifts Magdeburg unter die des Kurfürstentums Sachsen
 
1588
Die Vettern Hans Georg und Michael von Gehofen werden mit dem Burggut Vockstedt belehnt. Hans Georg zieht von Ichstedt nach Vockstedt
 
1605 bis 1660
Die Familie Vitzthum von Eckstedt besitzt das Amt Vockstedt
 
1612 bis 1626
Jakob von Grünthal ist kurfürstlich-sächsischer Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld und zugleich Amtshauptmann des Amtes Sangerhausen
 
vor 1626
Die beiden Vettern von Gehofen verkaufen das Vockstedter Gut an die Grafen von Mansfeld
 
April 1628
Während des 30jährigen Krieges setzen sich Kroaten in Voigtstedt fest
 
1631
Nach dem Fall Magdeburgs kommen Tillys Truppen durch Voigtstedt und liegen einige Tage in Kachstedt
 
1662
Neben Amt Vockstedt werden auch die Gehofenschen Rittergüter von der Arterner Herrschaft abgetrennt
1667 bis 1847
Die Reichsfreiherren von Meusebach besitzen das Schloßgut Voigtstedt
 
um 1680
Der Oberstleutnant Christoph Ulrich von Burgsdorff, Domherr, Probst der Paulskirche und Landschaftsdirektor zu Halberstadt, besitzt das Amtsgut Vockstedt
 
1682
Für die Kirche von Voigtstedt wird ein neuer Turmkopf gefertigt
 
10. Nov. 1691
Saccus, Verwalter von Christoph-Ludwig von Burgsdorf, erläßt ein neues Erbbuch für die Amtsuntertanen von Nikolausrieth und Katharinenrieth
 
11. Nov. 1691
Sacus, Verwalter von Christoph-Ludwig von Burgsdorf, erläßt ein neues Erbbuch für die Amtsuntertanen von Schönewerda und Voigtstedt
 
1746
Die Herren von Bülcknitz werden als Inhaber des Amtsgutes Vockstedt genannt
 
22. Sept. 1760
Während des 7jährigen Krieges liegen beim Dorf an die tausend Hannoveraner
 
1768
Der Abbau der Braunkohlevorkommen bei Voigtstedt und Edersleben beginnt
 
1780
Das Kurfürstentum Sachsen wird nach Aussterben der Mansfelder tatsächlicher Besitzer von Voigtstedt
 
1795 bis 1806
Voigtstedt ist Garnison. Es liegen dort Teile der Arterner Husaren
 
1. Juni 1806
Voigtstedt bleibt im Tilsiter Frieden sächsisch
 
12. März 1808
Der "reservierte" Teil der Grafschaft Mansfeld aus Amt Voigtstedt und Gericht zu Voigstedt, Amt und Stadt Artern sowie dem Flecken Gehofen wird gebildet
 
8. April 1808
Voigtstedt kommt mit dem Amt Artern an das Kursächsische Amt Sangerhausen und verliert seine Selbstständigkeit
 
1810
Die Quellen des von Meußebachschen "Weltbades" versiegen, als das Arterner Salzamt einen Stollen zur Entwässerung der Braunkohlengruben anlegen läßt
 
1815
Voigtstedt kommt zu Preußen
 
3. Aug. 1815
Voigtstedt huldigt König Friedrich Wilhelm III. von Preußen als dessen neuen Herrscher
 
1825
Voigtstedt hat 762 Einwohner; 793 Personen über und 269 Personen unter 14 Jahren, davon 163 Schulkinder
(75 Knaben und 88 Mädchen)
 
1829
Der Kirchturm der Kirche von Voigtstedt wird erneuert
 
1878
Bau der Bahnlinie Artern - Sangerhausen
 
1879
Voigtstedt erhält Bahnanschluß
 
8. Okt. 1900
Das Luisenwerk - Tonindustrie - wird gegründet
 
1925
Als Notstandsarbeit wird eine Chaussee von Voigtstedt nach Edersleben erbaut
 
1928
Die Kirche von Voigtstedt erhält eine neue Dacheindeckung
 

Kurzbeschreibung des Ortes

Chronik
Das Dorf Voigtstedt wird im Hersfelder Zehntverzeichnis um 780 als "Vocstat" erwähnt, war früher Sitz eines Verwaltungsbezirkes und damit einst bedeutender als die Stadt Artern.
Ursprünglich zum Burgwartsbezirk Ritteburg gehörig, wurde es später Sitz eines herrschaftlichen Amtes, zu dem die Dörfer Voigtstedt, Nikolausrieth, Katharinenrieth und Schönfeld gehörten.
Obwohl in Voigtstedt sich zeitweise bis zu 6 Rittergüter befanden, u.a. das Amtsgut, das Schloßgut, der Hinterturm, der Wechsunger Hof und Kresses Hof, hat der Ortsname nichts mit dem Worte "Voigt" zu tun, sondern bedeutet die Stätte eines Mannes namens Voce.
Da die Voigtstedter Dorfflur fast ausschließlich den Gütern gehörte, gab es im Dorfe keine Bauern, sondern nur Tagelöhner und Drescher.
Im Ort befand sich die Stätte eines alten Gaugerichts. Auf die Ansiedlung von Wenden deutet die 1511 erwähnte "Wendegasse" hin.
Die Dorfkirche läßt noch die alte Wehrkirche erkennen, zeigt spätgotische Stilformen. Eine Besonderheit ist der auf die Nordseite versetzte Wehrturm aus dem Mittelalter. Die Dorfkirche steht heute unter Denkmalschutz.
Im Jahre 1789 entdeckte man in Voigtstedt eisenhaltiges, heilendes Quellwasser. Daraufhin versuchte man, Voigtstedt zu einem Weltbad zu entwickeln. In den folgenden Jahrzehnten wurden deshalb Vergnügungen für die in der Umgebung ansässigen Familien mit Rang und Adel ausgerichtet.
Ein Ende nahmen diese mit dem Abbau von Braunkohle. Bergrat Johann Gottfried Borlach errichtete 1726 die neue Arterner Saline. Bei Edersleben und Voigtstedt wurden ausgedehnte Braunkohleflöze gefunden. Mit dem Abbau dieser Flöze bekamen viele Männer einen Verdienst.
Mit der Einschränkung der Arterner Saline ging auch der Abbau bei Voigtstedt zurück.
Nach 1825 bildete Voigtstedt zwei selbständige Gemeinden. Das waren das Schloß mit 32 Häusern und das Amt mit 66 Häusern.
Andere Arbeitsmöglichkeiten ergaben sich erst durch die Gründung des Louisenwerkes im Jahre 1900 in Voigtstedt und durch die Entstehung der Kyffhäuserhütte, der Zuckerfabrik, der Brauerei und der Saline in Artern.
Ende 1900 entstand eine Ziegelei in Form einer Aktiengesellschaft zum Zwecke der Tongewinnung und Verarbeitung. Im ersten Vierteljahrhundert des Bestehens wurden schon über 991 Mio. Stück Steine und Ziegel hergestellt. Durch die Bodenreform 1945 erhielten zahlreiche Alteinwohner und umgesiedelte Bürger eine neue Existenzgrundlage.
Im Jahr 1952 wurde die 1. LPG gegründet, die in den folgenden Jahren erweitert wurde und bis zu Wende 1990 bestand. 1980 beging die Gemeinde Voigtstedt die 1200 Jahrfeier mit einem historischen Festumzug und vielen Feierlichkeiten.
Seit Jahrzehnten nisten Störche auf dem Grundstück der Mühle in Voigtstedt.
In den letzten 5 Jahren wurden fast alle Straßen des Ortes erneuert und das Dorf im allgemeinen verschönert.
Das Landschaftsbild wird vor allem durch weite Ackerflächen und die Helmeniederung geprägt.
Zwischen der B 86 und der Ortslage liegen "Die Kuhlöcher", ein malerisches Fleckchen mit dem Vereinsgewässer des "Aratora Anglervereins" und zahlreichem Baumbestand.

Voigtstedt als wichtiger Fundort für Fossilien aus dem Pleistozän
Im Norden von Voigtstedt gab es über viele Jahrzehnte eine Ziegelei, die aus einer nahegelegenen Tongrube den Ton für die Ziegel gewann. Diese Tongrube wurde berühmt für ihre Funde aus dem Pleistozän. Inzwischen ist der Ton abgebaut und die Ziegelei still gelegt.

Im Senckenberg-Institut in Weimar existiert heute die Voigtstedt-Sammlung mit 2.500 Funden, die auf Professor Kahlke zurückgeht. Er hat dazu ein Buch "Das Pleistozän in Voigtstedt" herausgegeben.
Von der Deutschen Gesellschaft für Geologische Wissenschaften ist im Akademie-Verlag Berlin 1965 das Buch "Paläonthologische Abhandlungen, Abteilung 4, - Paläozoologie - Band II, Heft 2/3 "Das Pleistozän von Voigtstedt" erschienen (692 Seiten und viele Tafeln zu den Fundstücken sowie Fundorttafeln). Auch hier war Prof. Dr. H.-D. Kahlke Mitarbeiter.

"Voigtstedt-Warmzeit" heißt ein Zeitalter der Erdgeschichte vor etwa 460.000 Jahren. Nicht nur in der Fachwelt, auch in populärwissenschaftlichen Darstellungen der Eiszeit stößt man auf diese "Voigtstedt-Warmzeit". Bis in diesen Teil hinter dem Harz sind die Eismassen der Gletscher jemals vorangekommen. An seinem Rand haben Winde den Löß und Ton der Goldenen Aue aufgehäuft, Fossilien konserviert von Bison, Biber, Hyäne, Süd-Elefant und viele andere.

 

 









 

 

 

 

 

 

 



Dorfgeschichte